Entfernung der Antike

  • De Gruyter
  • 2015
  • 0
  • German
  • 1
  • 9783110913132
0

Der Spataufklarer Fernow (1763-1808) halt an Denkfiguren des Klassizismus fest, fur den Antike und Natur zu jenem erneut normativen Referenzhorizont geworden waren, innerhalb dessen sich der &quote;ganze Mensch&quote; zu definieren begonnen hatte. In dieser Hinsicht steht Fernows Beitrag zur Asthetik in der Nachfolge von Winckelmann und Mengs. Andererseits ist Fernow vom Klassizismus Winckelmanns durch einen epistemologischen Bruch getrennt, der es ihm nicht mehr erlaubt, &quote;Antike&quote; vom Grundsatz der Nachahmung her zu verstehen. Dieser Bruch, der zwischen einem mimetischen und einem produktionsasthetischen Verstandnis von Kunst verlauft, wird anhand von Bedeutungsverschiebungen der kunsttheoretischen Begrifflichkeit nachgezeichnet. Bei Fernow hat sich das historische Denken der Spataufklarung, das zur Relativierung metaphysisch verankerter Wissensbestande angetreten war, zu einem kunsthistorischen Denken transformiert, das im Bewutsein, den Bruch mit der Vergangenheit vollzogen zu haben, einen Stilbegriff erarbeiten mu, der nun als Problem der Darstellung zu definieren hat, was als Reprasentation nicht mehr gedacht werden kann. Die Aufgabe, jene neue Einheit von &quote;Darstellung&quote; zu stiften, wird damit einem Begriff des bildnerischen Umrisses aufgegeben, der von sich aus als Einheit zu setzen hat, was nicht mehr im rhetorischen Verstandnis von compositio aus Teilen zusammenzusetzen ist. Fernow will autonome Kunst vom Eigenwert des signifikativen Materials her bestimmen. Diese sensualistische Aufwertung des Signifikanten trennt ihn denn auch von den Weimarer Kunstfreunden Goethe und Meyer, zu denen er in einem historischen Augenblick stot, als diese die normativen Implikationen ihres Klassizismuskonzepts zu uberdenken beginnen. Die diskursiven Probleme, die sich aus dieser Autonomietheorie ergeben, werden insbesondere an Fernows Schriften uber Carstens und Canova nachgezeichnet.