Gewalt und Anmut

  • transcript-Verlag
  • 2015
  • 314
  • DE
  • Udgave er ikke defineret
  • 9783839412787
0

In der Literatur und Asthetik um 1800 ist Anmut nicht nur Bewegungsschonheit und Ausdruck weiblicher Sittlichkeit. Sie ist, so zeigt diese Studie, zugleich eine Form der Asthetisierung und Heroisierung weiblicher Gewalt. Als alternativer Topos zum mannlich codierten Erhabenen etabliert sich in Texten wie Schillers Jungfrau von Orleans und Kleists Penthesilea eine Asthetik grazioser Kampftanze, die bis zum zeitgenossischen Actionfilm die Inszenierung weiblichen Heldentums pragt.Die anmutige Gewaltasthetik stellt nicht nur eine prekare Verschrankung burgerlicher Weiblichkeit mit militarischem Handeln dar, sondern unterlauft zugleich die doppelte Asthetik eines harmonischen Schonen und eines gewaltsamen Erhabenen. Die Aufhebung dieser Dualitat steht jedoch nur scheinbar im Widerspruch zu den Theorien des 18. Jahrhunderts - sie ist vielmehr in den Anmutskonzeptionen selbst angelegt und wird zudem durch die Asthetik der europaischen Fechtkunst vorbereitet.Mit einem diskursanalytischen Verfahren erforscht Mareen van Marwyck die gewaltasthetisierenden und -heroisierenden Mechanismen der Anmut und eroffnet damit eine neue Perspektive auf die Inszenierung weiblichen Heldentums und das Verhaltnis von Gewalt und Asthetik im ausgehenden 18. Jahrhundert.