Philologie der Poesie

  • De Gruyter Akademie Forschung
  • 2015
  • 0
  • German
  • 1
  • 9783050093871
0

Einer weit verbreiteten, auch und gerade in den Poetik-Vorlesungen unserer Tage emphatisch vertretenen Vorstellung zufolge ist der poeta doctus eine historisch versunkene Figur. Seit den letzten Jahrzehnten des achtzehnten Jahrhunderts wird als selbstevident vorausgesetzt, dass man nicht aus dem gelehrten Wissen heraus dichte, sondern aus der unmittelbaren Erfahrung, aus dem sich zum Wort und Bewusstsein drangenden Gefuhl. Die hier versammelten Studien Christoph Konigs verabschieden diesen Gemeinplatz. Konigs Kunst der eindringlich-spekulativen Lekture erschliet die Intensitat der Imagination, die sich dort entzundet, wo Poesie und Philologie eine ebenso innige wie reflektierte Verbindung eingehen. Moderne Dichtung in ihrenhochsten Erscheinungsformen erweist sich als sublimierte Hermeneutik, moderne Philologie in ihren bedeutendsten Leistungen als poetisches Leseexperiment. Anhand von exemplarischen Fallstudien (unter anderem zu Wilhelm von Humboldt, Schiller, Goethe, Friedrich Schlegel, Lonnrot, Hofmannsthal, Gadamer, Szondi und Bollack) entwirft Christoph Konig ein uberzeugendes Bild der spannungsvollen Zweiheit von Poesie und Philologie, das unser Verstandnis der literarischen Moderne grundlegend modifiziert.&quote; David E. WellberyUniversity of Chicago